III. TEZ-Vortrag: „Osmanische Orthodoxie“ als vornationales Identitätskonzept

ZeleposGrenzen und Möglichkeiten für die kulturgeschichtliche Forschung

Vortrag von Prof. Dr. Ioannis Zelepos (München)

Termin: 13.5.2015, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

Die osmanische Herrschaft in Südosteuropa wurde in historischer Retrospektive lange Zeit als eine mit Stagnation und Niedergang assoziierte Periode betrachtet, die in dieser Eigenschaft vor allem als Folie nationaler Wiedergeburtserzählungen in der Region fungierte. In der jüngeren Forschung wurde die Problematik dieser einseitigen und latent teleologischen Deutungen mittlerweile hinreichend erkannt, jedoch stellt sich nach wie vor die Frage nach alternativen Verständniszugängen zum osmanischen Südosteuropa. Der im Vortrag präsentierte Ansatz der „osmanischen Orthodoxie“ soll einen Beitrag dazu leisten. Mit diesem Begriff ist ein vornationales Identitätskonzept gemeint, das sich nicht nur alltagskulturell manifestierte, sondern seit dem 18. Jahrhundert von orthodoxen Bildungseliten, der Amtskirche sowie bis zu einem gewissen Grade vom osmanischen Staat auch programmatisch entwickelt wurde und somit als Teil des übergreifenden Prozesses gesellschaftlicher Bewusstwerdung an der Schwelle zum modernen Zeitalter zu betrachten ist. Nach Bestandsaufnahme anhand konkreter Beispiele werden Grenzen und Möglichkeiten des hier verfolgten Ansatzes für die kulturgeschichtliche Südosteuropaforschung erörtert.

Referent: Ioannis Zelepos ist Historiker und Kulturwissenschaftler. Er lehrt als Professor für Neogräzistik an der LMU München und war zuvor als Dozent an der Universität Regensburg sowie als Assistent an der Universität Wien tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. Geschichte und Kultur Griechenlands und Zyperns im 19. und 20. Jahrhundert, Identitätsdiskurse in Südosteuropa und die Orthodoxe Kirche im Osmanischen Reich.

Publikationen (Auswahl): Kleine Geschichte Griechenlands. Von der Staatsgründung bis heute, München 2014; Orthodoxe Eiferer im osmanischen Südosteuropa, Wiesbaden 2012; (Hrsg. gemeinsam mit U. Tischler) Bilderwelten – Weltbilder. Die Gegenwart der Vergangenheit in postosmanischen Metropolen Südosteuropas [Thessaloniki, Istanbul, Izmir], Frankfurt/M. 2010; Die Ethnisierung griechischer Identität 1870-1912, München 2002; Rebetiko. Die Karriere einer Subkultur, Köln 2001.

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