Der türkisch-islamische Roman und die Frauen – eine irritierende Geschichte

sinekli-bakkalVotrag von Prof. Dr. Béatrice Hendrich (Köln)

Termin: 11.01.2017, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

„Die Frau“, Frauen in der Gesellschaft, Frauen und Familie, Frauen und der Islam – diese Themen sind von überragender Bedeutung für den türkischen Roman, und zwar seit seinen Anfängen im späten Osmanischen Reich. Schreibende Frauen selbst haben die Literaturlandschaft der Türkei schon immer geprägt; in der Gegenwart übersteigt ihre Zahl die der männlichen Autoren. Frauenfiguren und ‚Frauenthemen‘ werden in türkischen Romanen oft mit einer kritischen Auseinandersetzung mit Religion im Allgemeinen oder mit dem Islam im Besonderen verknüpft. Diese Auseinandersetzung kann ganz unterschiedliche Formen annehmen und ist keineswegs auf Romane mit ‚religiöser Intention‘ beschränkt. Der Vortrag präsentiert einige paradigmatische Romane, überwiegend aber nicht nur von Frauen verfasst, in denen Frauen religiöse und spirituelle Rollenmodelle zugeschrieben werden. Die begnadete Koransängerin Rabia in Halide Edip Adivars Sinekli Bakkal / The Clown and his Daughter (1935) erkennt und vermittelt das wahre Verständnis von Religion auf ästhetischem Weg. Die Frauen im sogenannten islamischen Roman hingegen suchen nach einem beispielhaften Lebenswandel, der anderen Musliminnen als Orientierung in schwieriger Zeit dienen kann (Şule Yüksel Şenler, Huzur Sokağı,1969; Emine Şenlikoğlu, İmamın Manken Kızı, 2007). In einem recht neuen Genre, das fantastische, spirituelle und schließlich auch öko-kritische Ansätze miteinander verbindet, sind es wiederum Frauenfiguren, die dank ihrer besonderen Fähigkeiten die Gesamtgesellschaft auf Verfehlungen hinweisen oder davor erretten.

Referentin: Béatrice Hendrich ist seit 2014 Junior-Professorin für türkische Sprache und Kultur an der Universität zu Köln. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive mit Manifestationen des Religiösen in der Türkei und auf Zypern sowie dem Transfer dieser Manifestationen in andere Länder wie beispielsweise Deutschland. Als Gegenstand der Analyse dienen insbesondere die Literatur sowie religiöse Stätten des Konflikts und der Erinnerung. 2011-2013 arbeitete sie als Marie-Curie-Fellow auf Zypern zur Identitätskonstruktion der türkischen Zyprioten in kolonialer Zeit. Davor beschäftigte sie sich mit der Erinnerungskultur der Aleviten in Deutschland.

Publikationen (Auswahl): „From Ottoman to Roman Script in Cyprus“, Nathalie Clayer, Fabio Giomi, Emmanuel Szurek (eds.), Towards a Transnational History of Kemalism in the post-Ottoman Space beyond Turkey, London: Hurst 2016 (in Druck);  “Islamic Religious Education in Cyprus. Laws, Actors, Past and Future”, Journal of Muslims in Europa (JOME), 4/2015, S. 7-31; „‚Kürk Mantolu Madonna‘ – Hibrid Edebiyatının öncül bir örneği?“, Mustafa Pultar (Hg.), Kültürötesi Bir Gezgin: Gönül Pultar’a Armağan Kitabı, İstanbul 2014, S. 117-129; „Von Pfeilen, Strahlen und Glühbirnen: Das Emblem der ‘Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung‘ (AKP)“, Evangelia Balta, Georgios Salakidis, Theoharis Stavrides (Hg.), Festschrift in Honor of Ioannis P. Theocharides, Istanbul 2014, S. 105-121.

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