Frauenbewegungen in der Türkei – aktuelle Ergebnisse eines regional vergleichenden, empirischen Forschungsprojektes

dky_14-mart-6Votrag von Prof. Dr. Yasemin Karakaşoğlu (Bremen), gemeinsam mit Charlotte Binder und Aslı Polatdemir

Termin: 18.01.2017, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

In der heutigen Türkei beziehen sich nach kritischen Interventionen, insbesondere von kurdischen und muslimischen Aktivistinnen, frauen- und geschlechterpolitische Akteurinnen auf heterogene Identitäten (Arat 2008). So gibt es z.B. radikal, lesbisch, queer, trans*, sozialistisch, religiös-konservativ, kemalistisch, beHindert, alevitisch, kurdisch und armenisch orientierte (feministische) Gruppierungen als Protagonistinnen unterschiedlicher Frauenbewegungen nach der Dekonstruktion des Kollektivsubjekts ‚Wir-Frauen‘. Bereits der Begriff ‚Frau‘ (kadın) ist innerhalb der verschiedenen geschlechterpolitischen, sozialen Bewegungen sehr umstritten. Aufgrund einer gruppenübergreifenden Thematisierung von struktureller Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen* (Müftüler-Baç 2012) stellt sich die Frage nach einem konstruktiven Umgang mit Vielfalt, nach Möglichkeiten des solidarischen Handelns und der Bildung von Bündnissen in der polarisierten Gesellschaft der Türkei. Im Forschungsprojekt „Frauenbewegungen im innertürkischen Vergleich“ wurden daher 2014-2016 Identitäts- und Bündnispolitiken der vielfältigen frauen- und geschlechterpolitischen Bewegungen in den unterschiedlichen Regionen der Türkei auf der Basis einer Dokumentensammlung, ethnographisch orientierter Feldbeobachtungen sowie 65 Expert*innen-Interviews untersucht. Anhand qualitativ-empirischer Einzelstudien in den Großstädten İstanbul, Ankara und Diyarbakır sowie in kleineren Städten an der Ägäis und am Schwarzen Meer konnte vergleichend herausgearbeitet werden, inwieweit die Kategorie Geschlecht, die im Rahmen (post-)strukturalistischer, postkolonialer und queerfeministischer Kritik dezentriert bzw. dekonstruiert wurde, noch als Kristallisationspunkt für soziale Bewegungen in der Türkei fungieren kann.

 

Referentinnen

Yasemin Karakaşoğlu
Yasemin Karakaşoğlu ist seit 2004 Professorin für Interkulturelle Bildung an der Universität Bremen und seit 2011 Konrektorin für Internationalität und Diversität. Sie studierte Turkologie, Neue deutsche Literaturwissenschaft und Internationale Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und der Hacettepe Universität/Ankara. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Türkeistudien in Essen (1991-1995) und an der Universität Duisburg/Essen (1995-2004) im Arbeitsbereich Interkulturelle Pädagogik, wo sie 1999 promovierte. Ihre Forschungs- und Lehrgebiete sind: Interkulturelle Bildung und Interkulturelle Öffnung von Schulen und Hochschulen, Lehrer*innenbildung in der Migrationsgesellschaft, Islam in der Schule, Frauenforschung mit den Schwerpunkten Türkei und Migration.

Charlotte Binder
Charlotte Binder schloss das Magisterstudium der Geschichte und Kulturwissenschaften 2009 an der Universität Bremen ab. Sie ist seit 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin im am Arbeitsbereich „Interkulturelle Bildung“ an der Universität Bremen angesiedelten Projekt „Frauenbewegungen im innertürkischen Vergleich“. Ihre gerade fertiggestellte Promotion befasst sich anhand einer empirisch-qualitativen Studie – vergleichend für Berlin und Istanbul – mit Bündnissen zwischen frauen- und geschlechterpolitischen Akteur*innen im Rahmen des Internationalen Frauentags 8. März. Ihre Forschungs- und Lehrgebiete sind: Gender und Diversity Studies, Zeitgenössische Türkeiforschung, Anthropologie und Qualitative Forschungsmethoden.

Aslı Polatdemir
Aslı Polatdemir schloss ihr Studium (M.A.) im Bereich Politische Wissenschaft mit Begleitfach Nah- und Mitteloststudien an der Universität Heidelberg 2013 ab. Sie erwarb ihren Bachelor in “Internationale Beziehungen” an der Universität Istanbul in 2011. Sie ist seit 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin im am Arbeitsbereich „Interkulturelle Bildung“ an der Universität Bremen angesiedelten Projekt „Frauenbewegungen im innertürkischen Vergleich“. Ihre Forschungs- und Lehrschwerpunkte sind: Geschlechterpolitiken in der Türkei und im Nahenosten, Repräsentation und Gender im Internet, Gender-Perspektiven in postkoloniale Studien. Ihr laufendes Promotionsprojekt trägt den Titel: “Empowerment Concepts of Women’s Movements in Turkey: A Foucauldian Analysis of Subjectifikation Through Websites”.

Publikationen (zum Projekt): Ein neuer Blick auf die Frauenbewegungen in der Türkei, in: Highlights, Informationsmagazin der Universität Bremen, Nr. 32, Winter 2015/16, S. 22-27. Abzurufen unter: http://www.blickwechsel-tue kei.de/download/ highlights32_ Frauenbewegungen.pdf. Binder, Charlotte; Polatdemir, Aslı; Karakaşoğlu, Yasemin (2015): Zur (Un-)Möglichkeit von Solidarität und Bündnis zwischen Frauenbewegungen in der Türkei. In: Feministische Studien – Zeitschrift für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung 38 (1), S. 9–21. Polatdemir, Aslı; Binder, Charlotte (2015): Can All Women Fight Together? A Discussion Between Ideals and Realities. Alliances and Diversity in Women’s Movements in Turkey. In: ODTÜ GWS (Hg.): International Conference on Knowledge & Politics in Gender &Women’s Studies. Culture and Convention Center/Ankara, 09.-11.10.2015. ODTÜ GWS, S. 18.

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