Menschenhandel und Arbeitsausbeutung im Fluchtprozess – Fokus Türkei / Humanitäre Hilfe zur Syrien-Krise

Vorträge von Silvia Oitner (Berlin) und Dr. Marc Herzog (Ankara) im Rahmen der TEZ-Vortragsreihe „Gäste, Glaubensbrüder, Störenfriede? Konflikt und Migration zwischen der Türkei und Syrien“

Termin: 08.11.2017, 18 Uhr c.t.
Ort: Rm 221, Asien-Afrika-Institut (Edmund-Siemers-Allee 1, Flügel Ost)

Silvia Oitner (Berlin): Menschenhandel und Arbeitsausbeutung im Fluchtprozess – Fokus Türkei

Quelle: KOK e.V. (2014): Begleitbroschüre zur Wanderausstellung „Menschenhandel – Situation, Rechte und Unterstützung in Deutschland“. Berlin: KOK. https://www.kok-gegen-menschenhandel.de/fileadmin/user_upload/medien/Projekte/Ausstellung/KOK_Broschu__re_online.pdf [Zugriff: 26.10.2017].

Menschenhandel ist nicht nur ein Straftatbestand, sondern stellt auch eine eklatante Verletzung der Menschenrechte der Betroffenen dar. Aus der Erfahrung der Arbeit mit Betroffenen von Menschenhandel wird deutlich, dass ein enger Zusammenhang zwischen dem Prozess der Migration und dem Phänomen Menschenhandel und Ausbeutung besteht. Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass jeder Betroffene von Menschenhandel und Ausbeutung Migrantin ist oder umgekehrt. Vielmehr zeigt sich, dass Ausbeutungsverhältnisse dann entstehen können, wenn Menschen nur über einen prekären Aufenthaltsstatus im Aufenthaltsland verfügen oder illegalisiert leben müssen, von Armut und/ oder Wohnungslosigkeit betroffen sind oder auch Schulden auf Grund des Migrationsprozesses haben und die Sprache des Ziellandes nicht oder nur ein wenig sprechen.

Der Vortrag führt ein in die internationalen Grundlagen zur Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz der Betroffenen, stellt Ausbeutungsformen fest, denen Geflüchtete auf ihrem Fluchtwegen ausgesetzt waren und endet schließlich mit der Unterstützung und Betreuung, die nun für die Betroffenen in Deutschland zur Verfügung steht. Vor allem der Fluchtweg über die Türkei nach Europa wird Fokus der Ausführungen und Fallbeispiele sein.

Referentin: Silvia Oitner, Dipl. Sozialarbeiterin (MCI Innsbruck), M.A. in Intercultural Conflict Management (ASH Berlin), B.A. in Politikwissenschaft (Universität Innsbruck), ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Zentrum für Innovation und Qualität in Studium und Lehre (ASH-IQ) an der ASH Berlin; Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Kritische Soziale Arbeit im Kontext Flucht und Migration, Menschenhandel, Arbeitsausbeutung und ausbeuterische Kinderarbeit in Europa und Deutschland, Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, Institutionelle Öffnung und Anti-Rassistische Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft, Campus-Gemeinwesen-Partnerschaften und Third Mission von Hochschulen.

Publikationen (Auswahl): (gemeinsam mit Prasad, Nivedita (im Erscheinen), „Menschenhandel und Flucht: Herausforderungen für die Soziale Arbeit mit Geflüchteten“, in: Prasad, Nivedita (Hg), Soziale Arbeit mit Geflüchteten – Rassismuskritisch, Professionell, Menchenrechtsorientiert. Budrich; (gemeinsam mit Thiele, Heiner), „Die Un-/Möglichkeiten von Partizipation Geflüchteter in Deutschland“, in: Schäuble, Barbara und Wagner, Leonie (Hg), Partizipative Hilfeplanung – Theoretische und handlungsfeldbezogene Zugänge, Beltz 2017, 85-97.

 

Dr. Marc Herzog (Ankara): Humanitäre Hilfe zur Syrien-Krise

Der Konflikt in Syrien ist jetzt in seinem 7. Jahr. Fast eine halbe Millionen Menschen sind als Konsequenz kriegerischer Handlungen umgekommen und die zivile Bevölkerung des Landes leidet weiterhin an einem Krieg der durch eine erstaunliche Zerstörungswut und Missachtung für menschliches Leben gekennzeichnet ist. Laut Angaben der UN benötigen insgesamt 13.5 Mio. Menschen benötigen humanitäre Hilfe. Während der Laufzeit dieses Konflikts ist humanitäre Hilfe nicht nur innerhalb des Landes geleistet worden, sondern auch in benachbarten Länder wie Jordanien, dem Libanon und der Türkei. Diese Hilfsleistungen wurden im Februar 2014 durch den UN Sicherheitsrat (Resolution 213) authorisiert. Der Vortrag wird etwas zur Entstehung, Strukturen und Dynamik der humanitären Hilfe berichten, die im Kontext des aktuellen Konfliktes über die Türkisch-Syrische Grenze geleistet wurde.

Referent: Marc Herzog hat Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen an der University of Edinburgh und an der University of Exeter studiert und ist zur Zeit Honorary Research Fellow am British Institute at Ankara (BIAA). Seine Forschungsinteressen fokussieren sich auf die gegenwärtige Innenpolitik und internationalen Beziehungen der Türkei innerhalb eines größeren komparativen Umfangs. Er arbeitet zudem zu Themen der Demokratisierung und Regime Analyse, Regional-Politik des Nah-Ostens, civil society und soziale Bewegungen.

Publikationen (Auswahl): “Crossing back and forth: identity and belonging across and beyond bordered worlds in the films of Fatih Akin”, in Bordered Places, Bounded Times: Cross-disciplinary Perspectives on Turkey (hrsg. von Leonidas Karakatsanis und Emma Baysal), British Institute at Ankara (2017), 195-205. “Examining state capacity in the context of electoral authoritarianism, regime formation and consolidation in Russia and Turkey” (gemeinsam mit David White) (2016), Southeast European and Black Sea Studies, 2016, 16(4), 551-569. (Hg.) The Role, Position and Agency of Cusp States in the international System (gemeinsam mit Philip Robins) – 2014, Routledge.

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