Rockin’ Anatolia – Türkische Popmusik der 1960er und 1970er zwischen radikaler Kreativität und extremer Politisierung

Vortrag von Dr. Christoph Ramm (Bern)

im Rahmen der TEZ-Vortragsreihe „1968 und die wilden 1960er Jahre. Geschichte, Einfluss und Wirkung einer globalen Bewegung in der Türkei“

Termin: 06.06.2018, 18 Uhr c.t.
Ort: Rm 221, Asien-Afrika-Institut (Edmund-Siemers-Allee 1, Flügel Ost)

Parallel zur globalen Entwicklung der Popmusik erlebte auch der türkische Pop in 1960er Jahren seine erste große Blütezeit. Zum ersten Mal wurden in der Türkei weltweite kulturelle Trends der populären Musik zeitgleich nachvollzogen. Single-Schallplatten und Musikwettbewerbe verbreiteten Musikstile wie Rock’n’Roll, Beat, Garage Rock, später Psychedelic Rock und Progressive Rock auch in der anatolischen Provinz. Junge türkische Bands beschränkten sich nicht darauf, Hits der westlichen Pop- und Rockmusik zu covern. Stattdessen machten sie sich westliche Stilrichtungen kreativ zu eigen und mixten sie mit türkischen Folksongs zu einem eigenen innovativen Stil  – Anadolu Pop.

Die zunehmende Politisierung der türkischen Gesellschaft nach 1968 wirkte sich auch auf die Popmusik aus. In den 1970ern trat die radikale Kreativität des Anadolu Pop mehr und mehr in den Hintergrund zugunsten politisierter Folkmusik. Die Hinwendung zum türkü war dabei Ausdruck eines Strebens nach Authentizität und Volksnähe, die mitunter nationalistische Ausprägungen annehmen konnte.

Referent: Christoph Ramm ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bern, wo er seit 2012 am Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie arbeitet. Von 2009 bis 2011 war er Geschäftsführer des TürkeiEuropaZentrums Hamburg. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte der Türkei im 20. und 21. Jahrhundert mit einem Fokus auf Nationalismus, Identitäten, Migration und Popkultur.

Publikationen (Auswahl): “Between Radical Innovation, Political Protest and Nostalgic Nationalism – Turkish Pop Music in the 1960s/1970s”, in: Berna Pekesen (ed.): Turkey in Turmoil: Social Change and Political Radicalization during the 1960s and 1970s, Leiden (in Vorbereitung); “The Muslim-Makers: How Germany ‘Islamizes’ Turkish Immigrants“, in Jasmin Mahadevan /Claude-Hélène Mayer (eds): Muslim Minorities, Workplace Diversity and Reflexive HRM, London/New York, 2017, 47-58; “Beyond ‘Black Turks’ and ‘White Turks’ – The Turkish Elites’ Ongoing Mission to Civilize a Colourful Society”, Asiatische Studien – Études Asiatiques 70, no. 4, 2016, 1355–1385.

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Blogseite des TürkeiEuropaZentrums Hamburg (TEZ)
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