Osmane werden, Hamburger bleiben. Der Orientalist A.D. Mordtmann in transkultureller Perspektive

Vortrag von Tobias Völker (Wien) im Rahmen der Vortragsreihe „Konvertiten, Renegaten, Neuosmanen im Osmanischen Reich“

Termin: 08.05.2019, 18.00 Uhr c.t
Ort: Hörsaal 221(AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)


© Deutsches Archäologisches Institut Istanbul

Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Leben des Hamburger Orientalisten und Diplomaten Andreas David Mordtmann (1811-1879), der 1845 nach Istanbul ging, um die Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck in Istanbul diplomatisch zu vertreten. Als seine Anstellung 1859 endete, wechselte er in den osmanischen Staatsdienst und arbeitete als Richter an einem Handelsgericht. Nach gut zehn Jahren im Amt wurde er 1871 vom Großwesir Mahmud Nedim Pascha wieder entlassen. Er arbeite einige Jahre als Privatgelehrter, bis er 1876 als Dozent für Geografie, Ethologie und Statistik an die Hochschule für Verwaltungsbeamte berufen wurde. Am 31.12.1979 starb er an den Folgen eines Herzversagens.

Der Vortrag wird sich auf Mordtmanns Karriere als osmanischer Beamter konzentrieren, insbesondere auf verschiedene Aspekte seiner „Osmanisierung“. Indem sowohl seine berufliche Laufbahn als auch seine kulturellen Aktivitäten in diversen osmanischen Kontexten nachzeichnet werden, sollen verschiedene Ebenen der kulturellen und politischen Selbstverortung in einem transkulturellen Umfeld in den Blick genommen werden.

Im ersten Teil des Vortrags sollen die formalen Aspekte des Übergangs vom deutschen Diplomaten zum osmanischen Staatsdiener beleuchtet werden, im Kontext der zeitgenössischen Konzepte von Staatsbürgerschaft und nationaler Zugehörigkeit. Im zweiten Teil des Vortrags werden Mordtmanns multiple und oft widerstreitende kulturelle Verortungen und politische Loyalitäten untersucht, wie sie sich in seinen osmanischen Aktivitäten ebenso wie in den in Briefen und journalistischen Arbeiten entwickelten Selbstnarrativen ablesen lassen.

Referent: Nach dem Studium der Turkologie und Islamwissenschaft in Hamburg war Tobias Völker von 2013-2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Kultur des Mittleren Ostens der Universität Hamburg. 2016 führte er, gefördert vom Orient Institut Istanbul Recherchen im Osmanischen Staatsarchiv durch. Seit 2017 forscht er im Rahmen eines DFG-geförderten Projektes über Leben und Werk Andreas David Mordtmanns. Seit Februar 2019 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Wien angestellt.Publikationen (Auswahl): „Vom Johanneum an die Hohe Pforte. Das Leben und Wirken des Hamburger Orientalisten und Dip­lomaten Andreas David Mordtmann“, in: Yavuz Köse (Hg.), Osmanen in Hamburg, Hamburg: Hamburg University Press 2015, S. 24-44; “Hereditary Proxeny: Patrick Colquhoun Junior”, in: Sinan Kuneralp (ed.), Biographical  dictionary of heads of foreign diplomatic missions in Constantinople, 1839-1922, Istanbul: Isis Press, forthcoming; “Holding high the Hanseatic Cross in the Levant: Andreas David Mordtmann and the Diplomatic Milieu of Istanbul”, in: International History Review (Routledge), forthcoming.

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