Vom Mullah zum Pastor: Die Protestantisierung und De-Osmanisierung des Mehmed Şükri Efendi alias Johannes Awetaranian (1861-1919)

Vortrag von Dr. Gülfem Alıcı (Tübingen) im Rahmen der Vortragsreihe „Konvertiten, Renegaten, Neuosmanen im Osmanischen Reich“

Termin: 10.07.2019, 18.00 Uhr c.t
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)


Quelle: Awetaranian, J.: Geschichte eines Muhammedaners, der Christ wurde, Großlichterfelde-West: Deutsche Orient-Mission 1905

Zu den interessantesten Zeugnissen spätosmanischer Konversionsverläufe gehört zweifellos der Lebensweg des Mehmed Şükri Efendi, eines osmanischen Mullahs aus Erzurum, der nach seiner Begegnung mit einer türkischen Bibelübersetzung zum Protestantismus konvertierte. Nach seiner Taufe in 1885 nahm Mehmed Şükri den Namen Johannes Awetaranian („Sohn des Evangeliums“) an, ließ sich zum evangelischen Missionar und Pastor ausbilden, um im Dienste des Schwedischen Missionsbundes seine Missionstätigkeit im Kaukasus und in Ostturkestan fortzusetzen. 1899 trat er der von Johannes Lepsius (gest. 1926) gegründeten „Deutschen Orient-Mission“ (DOM) bei. Als einer der loyalsten und engsten Mitarbeiter von Lepsius leitete Awetaranian bis zu seinem Tode die „Muhammedaner-Mission“ der DOM in Bulgarien. Der Vortrag erschließt den Prozess und den Grad der Protestantisierung und De-Osmanisierung des ehemaligen islamischen Geistlichen, der sich nach seinem Glaubens- und Loyalitätswechsel mit unermüdlichem Eifer der Verkündung des Evangeliums und der Verbreitung des europ. Protestantismus unter Muslimen verschrieb. Auch werden die Reaktionen muslimischer und europäischer Zeitgenossen auf die „neue“ Identität Awetaranians einer genaueren Betrachtung unterzogen.

Referentin: Gülfem Alıcı studierte Islamwissenschaft, Turkologie u. Religionswissenschaft an der Universität Hamburg und promovierte 2016 im Fach Islamwissenschaft. Seit 2017 ist sie als wiss. Mitarbeiterin (Postdoc) und Habilitandin in der interdisz. Nachwuchsforschergruppe „Religion und Rationalität: Glaube und Vernunft im Leben und Denken von Muslimen, Christen und Juden in pluralen Gesellschaften“ an der Eberhard Karls Universität Tübingen tätig. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die intellektuelle Geschichte der islamischen Welt, Manuskriptforschung, islam. Ordensmystik, religiöse Bewegungen, Wissenstransfer und -transformation. Gegenwärtig forscht und arbeitet sie zu Fātiḥa-Interpretationen von Sufis in der osmanischen Periode und zu Konvertiten im späten 19. Jh.  Publikationen (Auswahl): Seelenlehre und Novizenführung: Qāsim al-Ḫānīs Werk as-Sayr wa-s-sulūk ilā malik al-mulūk und die Seelenerziehung in der osmanisch-arabischen Mystik des 17. Jh. (Berlin: Klaus Schwarz/De Gruyter 2019); „Menāḳıb-Heiligenbio-grafien/Menāḳıb-Hagiographies“, in: Janina Karolewski & Yavuz Köse (Hrsg.): Ausstellungskatalog „Wunder der erschaffenen Dinge: Osmanische Manuskripte in Hamburger Sammlungen“/„Wonders of Creation: Ottoman Manuscripts from Hamburg Collections“  (=manuscript cultures 9, 2016).

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