Zu einer Kupferschüssel – oder wie osmanische Frauen mit Kupferwaren in Berührung kamen

Vortrag von Prof. Dr. Suraiya Faroqhi (Istanbul)
im Rahmen der TEZ-Vortragsreihe Die Geschichte der Türkei in Objekten

Termin: 28.06.2017, 18 Uhr c.t.
Ort: Rm 221, Asien-Afrika-Institut (Edmund-Siemers-Allee 1, Flügel Ost)

Arbeiten über Textilien, die in der Alltagswelt der Osmanen produziert, verkauft und schließlich konsumiert wurden, sind vergleichsweise häufig. Dagegen ist es merkwürdig, dass es nur relativ wenige Arbeiten gibt, die sich mit Metallen und aus Metallen hergestellten Gegenständen beschäftigen. Selbst an Schmuckstücken ist das wissenschaftliche Interesse begrenzt; und wir besitzen auch nur eine geringe Anzahl von Arbeiten über diejenigen Metalle, die weder Gold noch Silber waren, obwohl diese im Alltag vergleichsweise häufig benutzt wurden. Dementsprechend sind auch Kupfergewinnung und die Produkte des Kupferschmieds nicht allzu häufig Gegenstand von Monographien geworden, obwohl die auffallende Farbe nicht nur dieses Metalls, sondern auch der chemischen Verbindungen, die es eingeht, eigentlich die Neugier hätten anstacheln müssen.

In diesem Vortrag können wir keinesfalls die ganze Bandbreite der Verwendungen von Kupfer und Kupferverbindungen vorstellen. Vielmehr werden wir uns mit einem sehr spezifischen Thema befassen, nämlich der Art und Weise, wie osmanische Frauen mit Kupfer in Berührung kamen und in welcher Weise sie die daraus gemachten Geräte benützten. Das Thema mag zunächst befremdlich erscheinen, weil wir normalerweise Frauen mit der Welt der Textilien verbinden, während Metalle als eine ausgesprochen ‚männliche’ Domäne gelten. Aber wegen der häufigen Verwendung im Haushalt, in der Küche und beim Servieren der Mahlzeiten, aber auch im öffentlichen Bad (hammam) kamen Frauen doch häufiger mit Kupfergeräten in Berührung, als man auf den ersten Blick annehmen könnte. In dem heutigen Vortrag werden wir versuchen, diese Aspekte mit Hilfe einer Kupferschüssel ins Bild zu bringen.

Referentin

Suraiya Faroqhi is one of the most important economic and social historians of the Ottoman Studies working today.” (WOCMES Award)

Educated at the universities of Hamburg, Istanbul and Bloomington/Indiana, Suraiya Faroqhi has taught English (1971-72) and history at Middle East Technical University, Ankara (1972-87) and served as a professor of Ottoman Studies at the Ludwig Maximilians Universität in Munich, Federal Republic of Germany (1988-2007). After retirement from LMU she now works as a professor at the Department of History, Istanbul Bilgi University in Istanbul (2007-17).

In 2001-02, she was a Fellow at the Wissenschaftskolleg Berlin and in the spring of 2007, a Visiting Professor at Dartmouth College/New Hampshire. She holds an honorary doctorate from Boğaziçi University, Istanbul, and is an honorary member of the Middle East Studies Association, the Bilim Akademisi and the Türk Tarih Kurumu. In 2014 she was awarded the „WOCMES Award for Outstanding Contributions to Middle Eastern Studies 2014“ by the „International Advisory Council of the World Congress for Middle Eastern Studies” (WOCMES). She held further visiting appointments at Moscow State University, Al al-Bayt University/Jordan, the University of Minnesota, Fatih and Boğaziçi Universities/Istanbul, and the American University in Cairo. From July to November 2016 she held a position as the Shaheed Bhagat Singh visiting professor at Jawaharlal Nehru University in Delhi and was a fellow in the Jawaharlal Nehru Institute of Advanced Studies.

Publikationen (Auswahl)
Der Bektaschi-Orden in Anatolien (vom späten fünfzehnten Jahrhundert bis 1826), Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes, Sonderband II (Wien: Verlag des Institutes für Orientalistik der Universität Wien, 1981); Towns and Townsmen of Ottoman Anatolia, Trade, Crafts and Food Production in an Urban Setting (Cambridge: Cambridge University Press, 1984); Men of Modest Substance, House Owners and House Property in Seventeenth Century Ankara and Kayseri (Cambridge: Cambridge University Press, 1987); Pilgrims and Sultans (London: I. B. Tauris Press, 1994, reprint 2014); Kultur und Alltag im Osmanischen Reich (Munich: Verlag C.H.Beck, 1995), English translation: Subjects of the Sultans by Martin Bott, (London: I.B. Tauris, 2000); Approaching Ottoman History: an Introduction to the Sources (Cambridge: Cambridge University Press, 1999); Geschichte des Osmanischen Reiches (Munich: C. H. Beck Verlag, series Beck-Wissen, 2000); English translation — amplified and revised by the author — by Shelley Frisch: The Ottoman Empire: A short history (Princeton N. J.: Markus Wiener, 2008);The Ottoman Empire and the World Around it, 1540s to 1774 (London: I. B. Tauris, 2004); Artisans of Empire. Crafts and Craftspeople under the Ottomans (London: I. B. Tauris, 2009); A Cultural History of the Ottomans: The imperial elite and its artefacts (London: I. B. Tauris, 2016).

Some of her articles have been reprinted in book form, most recently: Travel and Artisans in the Ottoman Empire (London: I. B. Tauris, 2014), Another Mirror for Princes: the Public Image of the Sultans and its Reception (Istanbul: The Isis Press, 2008). More or less recently she has edited The Cambridge History of Turkey, vol. 3, The Later Ottoman Empire (Cambridge: Cambridge University Press, 2006) and Animals and People in the Ottoman Empire (Istanbul: Eren, 2010). Vol. 2 of the Cambridge History of Turkey, which she has co-edited together with Kate Fleet, has appeared in 2013, finally completing the scheduled 4-volume series.

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Debatte Antisemitismus in der AKP: Erdoğan und die Zinslobby

Turkish President Tayyip Erdogan greets students during a graduation ceremony at an Imam Hatip religious school association in Istanbul, Turkey, May 26, 2017. REUTERS/Murad Sezer

„Der türkische Präsident lastet die Misere seines Landes den Juden als „Strippenziehern“ an. Damit entlarvt er seine antisemitischen Denkmuster.Ein Kommentar von Marc David Baer für TAZ.DE.

 

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Wer gegen Erdoğan ist, muss hungern

„Intellektuelle in der Türkei stehen vor der Wahl: Widerstand oder Opportunismus. Die Entscheidung kann Leben zerstören – und Freundschaften.“ Eine Kolumne von Yavuz Baydar, zu lesen in der SUEDDEUTSCHEN.DE.

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Stellenausschreibung wissenschaftliche/-r Mitarbeiter/-in für das Forschungsfeld „Religionsgeschichte Anatoliens“

Beim Orient-Institut Istanbul der bundeseigenen Max Weber Stiftung ist die Stelle
einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin / eines wissenschaftlichen Mitarbeiters
zur verantwortlichen Betreuung des Forschungsfelds „Religionsgeschichte Anatoliens“ab dem 01.10.2017 oder nach Vereinbarung zu besetzen. Sie ist zunächst auf drei Jahre befris-tet. Eine Verlängerung um zwei weitere Jahre ist möglich. Dienstort ist Istanbul.

Bewerbungsfrist: 15.07.2017

Weitere Details: Stellenausschreibung wiss.Mitarbeiter2017_OII_lang (pdf)

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Veranstaltung: Exil in der armenischen Erinnerungsliteratur

Vortrag und Lesung
Donnerstag 22. Juni, 19.30 Uhr
Literaturzentrum Hamburg, Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
Eintritt 3 Euro, Karten unter 040 / 227 92 03 oder lit@lit-hamburg.de

Das Exil war sowohl Ort des Schreibens als auch zentrales Thema der armenischen Erinnerungsliteratur, die in den Jahren nach dem Völkermord entstand. »Hokis aksoryal« – »Meine Seele im Exil« betitelte die bekannte armenische Autorin Zabel Yesayan eins ihrer Werke. Die Turkologin Corry Guttstadt stellt Leben und Werk von Zabel Yesayan, Yervant Odian und Gurgen Mahari vor – drei herausragende armenische Autoren, die dem Völkermord entkamen. Es liest die Schauspielerin Alina Manoukian.

Für weitere Informationen: https://www.tagedesexils.de/programm/19-25-06-2017/22-06-2017/

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Stellenausschreibung Universität Bonn: Lektorat Türkisch

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sucht für das Institut für Orient- und Asienwissenschaften (IOA), Abteilung für Islamwissenschaft und Nahostsprachen, zum 1. Oktober 2017 befristet für die Dauer von zwei Jahren

eine Lehrkraft  für besondere Aufgaben (Vollzeit) bzw. zwei Lehrkräfte für besondere Aufgaben (jeweils 50%) (LektoratTürkisch)

Für weitere Informationen siehe: Ausschreibung Lektorak Türkisch (pdf)

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Der Portrait einer jungen Dame: Fotografien weiblicher Bankangestellter im spätosmanischen Reich als Geschichts-quellen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vortrag von Maria Bruckmann, M.A. (Hamburg)
im Rahmen der TEZ-Vortragsreihe Die Geschichte der Türkei in Objekten

Termin: 14.06.2017, 18 Uhr c.t.
Ort: Rm 221, Asien-Afrika-Institut (Edmund-Siemers-Allee 1, Flügel Ost)

Inwiefern können Porträtfotografien als primäre Geschichtsquellen wissenschaftlich verwendet werden? Worüber können sie Aufschluss geben, welche Fragen lassen sie unbeantwortet? Am Beispiel einer einzigartigen Porträtserie weiblicher osmanischer Bankangestellten aus Konstantinopel und Smyrna im frühen 20. Jahrhundert soll diesen Fragen nachgegangen werden. Aus dem spätosmanischen Reich existieren zwar im Allgemeinen zahlreiche Fotografien, leider aber meistens ohne Bezugsrahmen.
Die Fotografien dieses Vortrags sind dagegen Teil ausführlicher Bankakten, welche das Leben der weiblichen Angestellten der Banque Impériale Ottomane (1863-1933) aufzeichnen, und somit weiterführende Recherchen über das Bild hinaus zulassen. Die persönlichen Geschichten der Frauen werden sichtbar.

Der Vortrag prüft, inwieweit visuelle Materialien unser Verständnis der Geschichte erweitern können, fragt aber auch, wo die Grenzen und Schwierigkeiten der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Fotografien liegen. Des Weiteren widmet sich der Vortrag der osmanischen Porträtfotografie im Allgemeinen, skizziert seinen Entstehungs- und Nutzungskontext im frühen 20. Jahrhundert und beschreibt die Bedeutung von Fotografien als Objekte einer aufkommenden materiellen Konsumkultur im spätosmanischen Reich.

Referentin: Maria Bruckmann führt seit April 2016 das durch das Doktorandenkolleg Geisteswissenschaften der Universität Hamburg geförderte Projekt „Frauen in der Arbeits- und Unternehmerwelt in Jahren des Umbruchs: vom Osmanischen Reich zur Türkischen Republik. Eine Fallstudie anhand der Akten weiblicher Angestellter und Kundinnen der Banque Impériale Ottomane (1863-1933)“ am Fachbereich Turkologie des Asien-Afrika-Instituts der Universität Hamburg durch.

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