Ein moldawischer Fürst: Dimitrie Cantemir (1672-1722) im Dienste des Sultans und Zaren

Vortrag von Alptuğ Güney, M.A. (Hamburg) im Rahmen der Vortragsreihe „Konvertiten, Renegaten, Neuosmanen im Osmanischen Reich“

Termin: 26.06.2019, 18.00 Uhr c.t
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)


© The Fine Arts Museum of Rouen

Dimitrie Cantemir, Sohn des damaligen moldawischen Fürsten, begab sich 1688 als „Faustpfand“ nach Istanbul. Da sein Vater zum Staathalter von Moldawien ernannt wurde, sollte er mit seinem Bruder als Garantie und Druckmittel für die Loyalität seines Vaters in Istanbul residieren. Er wurde in der osmanischen Palastschule und an der Akademie des griechisch-orthodoxen Patriachats ausgebildet und verbrachte die stürmischen Jahre des Großen Türkenkriegs (1683-1699/1700) und der unruhigen Nachkriegszeit (1700-1711) in der osmanischen Hauptstadt. Als ein geschätzter Gelehrter und Meister der osmanischen Musik trat er der Istanbuler Elite bei und konnte auf diese Weise den Wandel in der osmanischen Politik und Gedankenwelt aus unmittelbarer Nähe beobachten. Als sich 1710 die Gefahr eines Kriegs zwischen den Osmanen und Russen abzeichnete, wurde Cantemir durch die persönliche Entscheidung des Krim-Khans und des osmanischen Sultans zum Fürst von Moldawien ernannt – als eine höchst zuverlässige Person gegen die russisch-orthodoxe Propaganda auf dem Balkan. Als dann Cantemir während des Prut-Krieges (1711) auf die russische Seite wechselte, galt das als einer der unerwartetesten Hochverrate in der osmanischen Geschichte. Nachdem die Russen den Krieg verloren hatten, begannen für Cantemir seine Exiljahre in Russland. Von dieser Zeit an stand er im Dienste des Zaren Peter I. (1672-1725) als Geheimrat. Die Präsentation stützt sich auf Cantemirs Opus Magnum „Historia incrementorum atque decrementorum Aulae Othomanicae“ (Die Geschichte des osmanischen Reichs nach seinem Anwachsen und Abnehmen) (1716) und auf die Archivalien aus dem Osmanischen Staatsarchiv und setzt sich mit Cantemirs Selbstdarstellung auseinander und diskutiert die Gründe und das Ausmaß seiner „Osmanisierung“ anhand von Beispielen aus seinem Leben und Werk. Am Beispiel der Beziehung zwischen der Cantemir-Familie und der Hohen Pforte wird auch das Loyalitätsverständnis der Osmanen unter die Lupe genommen.

Referent: Alptuğ Güney studierte Turkologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er war zwischen 2014 und 2016 als Lektor für Osmanisch und spätosmanische Geschichte an der Zaim-Universität in Istanbul tätig. Seit Juni 2017 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Digital-Humanities Projekt HerCoRe an der Universität Hamburg. Zu seinen Forschungsfeldern zählen: Politisch-kulturelle Geschichte des osmanischen Reiches, Militärgeschichte, Wissenschaftsgeschichte. Publikationen (Auswahl): „Charles XII at the Centre of Ottoman Diplomacy“, Charles XII Warrior King, ed. J. B. Hattendorf, Zutphen 2018, S. 238-257 (mit B. Arı), „Berlin-Bâb-ı Âli-Bakü Hattında İttihatçı Emperyalizmi’nin Son Seferi: Sadrazam Talât Paşa’nın Almanya Seyahati, Eylül 1918“, Toplumsal Tarih Özel Sayısı “Cihan Harbi’nin Sonu, Devrimler ve Tarih Yazımı”, Hrsg. Erol Ülker ve Sinan Yıldırmaz, Nr. 309/2019, S. 28-35.

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Verräter, Held, Vermittler: Der Topos „Renegat“ im Habsburgerreich

Vortrag von Dr. Heléna Tóth (Bamberg) im Rahmen der Vortragsreihe „Konvertiten, Renegaten, Neuosmanen im Osmanischen Reich“

Termin: 05.06.2019, 18.00 Uhr c.t
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

© Wikimedia Commons

Der „Renegat“, ein zum Islam konvertierter Christ, war in der Öffentlichkeit des Habsburgerreiches sowohl aus der Literatur als auch aus den Nachrichten bekannt. Die Biographie von Mihajlo Latas, der nach seiner Ausbildung als Kadett in der Habsburger Armee unter dem Namen Omer Pascha im Osmanischen Reich eine militärische und politische Karriere machte, oder die kollektive Biographie von politischen Flüchtlingen nach den Revolutionen von 1848, die im osmanischen Exil zum Islam übertraten, wurden in Zeitungen, Memoiren und in der Belletristik oft behandelt. Anhand von Zeitungsberichten und Flüchtlingsmemoiren geht der Vortrag den Konturen der wechselnden Konnotationen des Topos Renegat nach. Ziel ist das Spektrum der Deutungen sowohl in der Selbstbeschreibung von Renegaten als auch in ihrer öffentlichen Wahrnehmung aufzuzeigen.

Referentin: Heléna Tóth studierte Geschichte an der Harvard University in Boston. Nach ihrer Promotion unterrichtete sie an der Boston University. Zwischen 2009 und 2014 war sie Postdoctoral Research Fellow an der LMU, München, und seitdem arbeitet sie als akademische Rätin a.Z. am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Otto-Friedrich-Universität, Bamberg. Zu ihren Forschungsfeldern zählen: die Geschichte des politischen Exils, transatlantische Revolutionskulturen im 19. Jahrhundert, die Kulturgeschichte des Staatssozialismus und die Geschichte der Übergangsrituale in der DDR und Ungarn. Publikationen (Auswahl): An Exiled Generation. German and Hungarian Political Exiles, 1848-1871 (New York: Cambridge University Press, 2014), Transatlantic Revolutionary Cultures, 1789-1861, edited with Charlotte Lerg (Boston: Brill, 2017); Cityscapes in History: Creating the Urban Experience (Burlington: Ashgate, 2014), zahlreiche Buchkapitel und Artikel.

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„Ein zur türkischen Religion konvertierter ist schlimmer als der Türke“: Apostaten und Türkenfreunde in Berichten tschechischer Reisender und Gesandter (16.-17. Jahrhundert)

Vortrag von Jun.-Prof. Dr. Petr Kučera (Hamburg) im Rahmen der Vortragsreihe „Konvertiten, Renegaten, Neuosmanen im Osmanischen Reich“

Termin: 22.05.2019, 18.00 Uhr c.t
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

© Nationalbibliothek Prag

Ein zur türkischen Religion konvertierter ist schlimmer als der Türke“ sagt ein tschechisches Sprichwort, das höchstwahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert stammt. In den Reiseberichten, Briefen und Abhandlungen von Tschechen, die sich in der frühmodernen Zeit im Osmanischen Reich aufhielten, findet man nicht nur interessante Zeugnisse von der Begegnung mit dem „anderen“. Sie zeigen auch die Faszination und den Schrecken, die ihre Autoren angesichts der zahlreichen Konversions- oder Türkisierungsfälle ihrer Glaubensbrüder erlebten.

Der Vortrag nimmt sich die Beschreibungen von Konversion oder Identitäts- und Loyalitätswechsel unter die Lupe, die Tschechen im 16. und 17. Jahrhundert hinterlassen haben. Die Periode stellt eine Schlüsselphase in tschechisch-türkischen Begegnungen dar. Nach der Eroberung Ungarns durch die Osmanen wurden die böhmischen Kronländer in dieser Zeit Nachbarn des Osmanischen Reiches, was nicht zuletzt ein gesteigertes Interesse am Islam und einen steilen Anstieg von Literatur über die „türkische Gefahr“ zu Folge hatte. Die Präsentation stützt sich besonders auf vier Quellen: Die Abenteuer von Václav Vratislav von Mitrovice (1599), das Tagebuch des Grafen Heřman Černín von Chudenice (1644-45) und Antialkoran (1614) und Briefe (ca. 1570-1590) von Václav Budovec von Budov. Alle drei Adelige waren Mitglieder von Gesandtschaften nach Istanbul, verbrachten Jahre in der osmanischen Hauptstadt und erwarben gründliches Wissen über die osmanische Kultur und den Islam. Der Vortrag widmet sich bisher wenig erforschten Fällen der Aufnahme der osmanischen Kultur und Religion oder Reaktion auf solche, wie sie von Angehörigen einer marginalisierten mitteleuropäischen Gesellschaft aufgezeichnet wurde, die selber im Existenzkampf um die Aufrechterhaltung ihrer kulturellen und z.T. auch religiösen Identität begriffen war.

Referent: Petr Kučera studierte Turkologie und Islamwissenschaft an der Karls-Universität in Prag, wo er zwischen 2008 und 2015 als Dozent für Turkologie tätig war. Seit März 2016 ist er Juniorprofessor für Turkologie an der Universität Hamburg. Zu seinen Forschungsfeldern zählen: Kulturgeschichte des spätosmanischen Reiches, osmanische Reiseberichte, moderne türkische Literatur, Verflechtungen von Nationalismus und Literatur. Publikationen (Auswahl): Von Istanbul bis ans Ende der Welt: Osmanische Reiseberichte um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert (Prag: Academia, 2019, mit J. Malečková, auf Tschechisch), Ausführliche Grammatik des Türkischen (Brno: Lingea, 2014, polnische Übersetzung 2018), zahlreiche Übersetzungen aus dem Türkischen, darunter neun Romane von Orhan Pamuk, Erzählungen und Gedichte.

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Osmane werden, Hamburger bleiben. Der Orientalist A.D. Mordtmann in transkultureller Perspektive

Vortrag von Tobias Völker (Wien) im Rahmen der Vortragsreihe „Konvertiten, Renegaten, Neuosmanen im Osmanischen Reich“

Termin: 08.05.2019, 18.00 Uhr c.t
Ort: Hörsaal 221(AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)


© Deutsches Archäologisches Institut Istanbul

Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Leben des Hamburger Orientalisten und Diplomaten Andreas David Mordtmann (1811-1879), der 1845 nach Istanbul ging, um die Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck in Istanbul diplomatisch zu vertreten. Als seine Anstellung 1859 endete, wechselte er in den osmanischen Staatsdienst und arbeitete als Richter an einem Handelsgericht. Nach gut zehn Jahren im Amt wurde er 1871 vom Großwesir Mahmud Nedim Pascha wieder entlassen. Er arbeite einige Jahre als Privatgelehrter, bis er 1876 als Dozent für Geografie, Ethologie und Statistik an die Hochschule für Verwaltungsbeamte berufen wurde. Am 31.12.1979 starb er an den Folgen eines Herzversagens.

Der Vortrag wird sich auf Mordtmanns Karriere als osmanischer Beamter konzentrieren, insbesondere auf verschiedene Aspekte seiner „Osmanisierung“. Indem sowohl seine berufliche Laufbahn als auch seine kulturellen Aktivitäten in diversen osmanischen Kontexten nachzeichnet werden, sollen verschiedene Ebenen der kulturellen und politischen Selbstverortung in einem transkulturellen Umfeld in den Blick genommen werden.

Im ersten Teil des Vortrags sollen die formalen Aspekte des Übergangs vom deutschen Diplomaten zum osmanischen Staatsdiener beleuchtet werden, im Kontext der zeitgenössischen Konzepte von Staatsbürgerschaft und nationaler Zugehörigkeit. Im zweiten Teil des Vortrags werden Mordtmanns multiple und oft widerstreitende kulturelle Verortungen und politische Loyalitäten untersucht, wie sie sich in seinen osmanischen Aktivitäten ebenso wie in den in Briefen und journalistischen Arbeiten entwickelten Selbstnarrativen ablesen lassen.

Referent: Nach dem Studium der Turkologie und Islamwissenschaft in Hamburg war Tobias Völker von 2013-2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Kultur des Mittleren Ostens der Universität Hamburg. 2016 führte er, gefördert vom Orient Institut Istanbul Recherchen im Osmanischen Staatsarchiv durch. Seit 2017 forscht er im Rahmen eines DFG-geförderten Projektes über Leben und Werk Andreas David Mordtmanns. Seit Februar 2019 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Wien angestellt.Publikationen (Auswahl): „Vom Johanneum an die Hohe Pforte. Das Leben und Wirken des Hamburger Orientalisten und Dip­lomaten Andreas David Mordtmann“, in: Yavuz Köse (Hg.), Osmanen in Hamburg, Hamburg: Hamburg University Press 2015, S. 24-44; “Hereditary Proxeny: Patrick Colquhoun Junior”, in: Sinan Kuneralp (ed.), Biographical  dictionary of heads of foreign diplomatic missions in Constantinople, 1839-1922, Istanbul: Isis Press, forthcoming; “Holding high the Hanseatic Cross in the Levant: Andreas David Mordtmann and the Diplomatic Milieu of Istanbul”, in: International History Review (Routledge), forthcoming.

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„…richtig entlaufen, seiner Heimat, seinem Beruf, seinem Glauben“. Deutsche Konvertiten im späten Osmanischen Reich

Vortrag von Prof. Dr. Yavuz Köse (Wien) im Rahmen der Vortragsreihe „Konvertiten, Renegaten, Neuosmanen im Osmanischen Reich“

Termin: 24.04.2019, 18.00 Uhr c.t
Ort: Hörsaal 221(AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

© Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin

Ab den 1840er Jahren existierte aus Deutschland auch eine „unterbürgerliche Migration“ in das osmanische Gebiet. Da diese, anders als etwa Militärexperten, selten hervorgehobene Positionen innehatten, lassen sich deren Lebensläufe – insbesondere wenn sie zum Islam konvertierten und osmanische Namen annahmen – nur schwer nachzeichnen. Da die Konversion selten nur die religiöse Ebene betraf, sondern oft auch rechtliche Implikationen hatte, geben die Akten der Preußischen Gesandtschaft interessante Einblicke.
Der Vortrag stellt einige Fälle von Konvertiten vor und analysiert die offiziellen Korrespondenzen. Die Akten erlauben uns den Übergansprozess von einem preußischen zum osmanischen Untertanen zu verfolgen. Die Briefe bieten dabei nicht nur Erkenntnisse zu formalen Aspekten des Staat-Untertan Verhältnisses, vielmehr zeigen sie, dass die deutschen Vertreter auf die Absichtserklärungen, zum Islam zu konvertieren, zuweilen hoch emotional reagierten und versuchten, die Untertanen von diesem Schritt abzuhalten. Einige der Akten enthalten auch Aussagen der Betroffenen zu den Motiven ihrer Konversion. Trotz der bisher geringen Anzahl an Beispielen, liefern diese Fälle dennoch neue Aspekte zur Frage des osmanischen Staatsbürgertums und der Rolle, die der Übertritt zum Islam für Gruppen spielte, die keine besonderen Fähigkeiten hatten, die für den osmanischen Staat von Bedeutung waren.

Referent: Yavuz Köse studierte Geschichte und Kultur des Nahen Orients sowie Turkologie, Volkswirtschaftslehre sowie Arbeits- und Organisationspsychologie an der Ludwig-Maximil-ians-Universität München. Zwischen 2010 und 2019 hat er die W3-Professur für Turkologie an der Universität Hamburg vertreten. Seit Januar 2019 hat er den Lehrstuhl für Turkologie an der Universität Wien inne. Er ist Vorstandsvorsitzender Gesellschaft für Turkologie, Osmanistik und Türkeiforschung (GTOT, e.V.). Zu seinen Forschungsfeldern zählen: Sozial- und Wirtschafts-, Umwelt- und Tourismusgeschichte des Osmanischen Reiches und der Türkei. Publikationen (Auswahl): Osmanen in Hamburg – eine Beziehungsgeschichte zur Zeit des Ersten Weltkrieges (Hamburg: Hamburg University Press, 2015), (ed.) Junge Perspektiven der Türkeiforschung in Deutschland Bd. II (mit Burcu Doğramacı, Kerem Öktem und Tobias Völker). Berlin: Springer VS Verlag, (ed.) Wunder der erschaffenen Dinge: Osmanische Manuskripte in Hamburger Sammlungen. Wonders of Creation: Ottoman Manuscripts from Hamburg Collections (manuscript cultures 9) (mit Janina Karolewski) Hamburg 2018 (2. Aufl.), (ed.) Nature and Power: An Environmental History of the Ottoman Empire (with Onur İnal), Winwick – Cambridgeshire: White Horse Press, 2019.

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Reaktionen auf armenische Konvertiten 1895/96 und 1915/16

Vortrag von Prof. Dr. Elke Shoghig Hartmann (Hamburg) im Rahmen der Vortragsreihe „Konvertiten, Renegaten, Neuosmanen im Osmanischen Reich“

Termin: 17.04.2019, 18.00 Uhr c.t
Ort: Hörsaal 221(AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

Bild: Archiv der Bibliothèque Nubar, Paris

Die Spätzeit des Osmanischen Reiches war nicht nur durch umfassende Reformen und die schrittweise Emanzipation der Nichtmuslime geprägt, sondern auch durch eine massive Zunahme von Gewalt in den ostanatolischen Provinzen. Ein Element war auch die Verschleppung und Zwangskonversion armenischer Frauen. Zu Massenkonversionen von osmanischen Armeniern kam es jedoch erst während der reichsweiten Massaker unter Sultan Abdülhamid II. 1985/96 und während des jungtürkischen Völkermords 1915/16. Der Vortrag richtet seinen Blick nicht primär auf die Episoden der Massengewalt selbst, sondern auf den Umgang mit den vielen Tausend zwangskonvertierten Armenierinnen und Armenier. Wie wurden die konvertierten Armenier in der muslimischen Gesellschaft aufgenommen? Wie reagierte die Gesellschaft der armenischen Überlebenden nach dem Ersten Weltkrieg auf die islamisierten Armenier?

Referentin: Elke Hartmann hat an der Freien Universität Berlin Geschichte und Islamwissenschaft studiert. Seit dem 1.4.2019 vertritt sie die Professur für Turkologie am AAI. Derzeit forscht sie zu russisch-osmanischen Verflechtungen in der jungtürkischen Bewegung. Weitere Forschungsschwerpunkte sind das osmanische Militär, Staats- und Nationsbildung, Alltagsleben und Alltagskultur, Photographie und Selbstzeugnisforschung. Zu ihren Publikationen gehören: Die Reichweite des Staates. Wehrpflicht und moderne Staatlichkeit im Osmanischen Reich 1869-1910, Paderborn 2016; Gülizars Geschichte. Frauenraub in den armenischen Provinzen des Osmanischen Reiches in neuer Perspektive, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 26 (2017), S. 184-208; The Central State in the Borderlands: Ottoman Eastern Anatolia in the Late 19th Century, in: Omer Bartov / Eric D. Weitz (Hg.), Shatterzone of Empires. Coexistence and Violence in the German, Habsburg, Russian, and Ottoman Borderlands, Bloomington und Indianapolis 2013, S. 172-190.

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Between Temptations of Turkish Slavery and Ethnic Solidarity: The Discourse on the Renegade Phenomenon in Ukrainian Folklore

Vortrag von Dr. Oleksandr Halenko (Kiew) im Rahmen der Vortragsreihe „Konvertiten, Renegaten, Neuosmanen im Osmanischen Reich“

Bild: Lviv National Art Gallery

Termin: 10.04.2019, 18.00 Uhr c.t
Ort: Hörsaal 221(AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

In the Ottoman Empire the vast majority of renegades did not change identity voluntarily, because they were slaves. The Ukrainian folklore voices complex motives of such involuntary renegades, as it accumulates collective experiences of the nation, which for a long time was a principal source of Ottoman slaves. On the one hand, scenes of physical and moral sufferings, apostasy and death illustrate threats of enslavement. On the other, praised are wealth, power, pride, luxury and even sensual pleasures, which were promised to all Ottomans, including renegades. Renegades also appear as protagonists of several epics (dumas) that accumulated broad popular discourse, developed in response to the devastating slaving raids of the Crimean Khanate. The stories and characters of renegades, unquestionably fictional, set praiseworthy examples of their continuing loyalty to Christian faith, family, and compatriots. Some remarkably promised to renegades absolution in exchange for assisting compatriots to regain freedom and to return home. Eventually, it was a desperate appeal to cooperation between compatriots, and such epics provide good example, how hard collective experience stimulated consolidation of a nascent nation.

Referent: Dr. Oleksandr Halenko studied European history in Kyiv. After the demise of the Soviet Union he independently engaged in Turkology with focus on the role of Turkic polities in the history of Ukraine. In 1996-1999 he served as deputy director of the Institute of Oriental Studies in Kyiv. He also taught at the National University of Kyiv-Mohyla Academy and conducted research on the Islamic collection at the Bogdan and Varvara Khanenko Museum of Art in Kyiv. Currently he is affiliated with the Centre for the Study of Civilizations in the Black Sea Area at the Institute of History of Ukraine. His recent publications include Tarih-i Naima: Reports on Ukraine. Translation and Studies (Kyiv, 2016); “Wine production, marketing and consumption in the Ottoman Crimea, 1520-1542”, Journal of the Economic and Social History of the Orient 47 (4), 507-547; “How a Turkish Empress Became a Champion of Ukraine”, Roxolana in European Literature, History and Culture, 125-140; “The Harsh Landscapes of“ Mother Sarmatia“: Steppe Ukraine through the Eyes of a 16th-Century Polish Diplomat”, Harvard Ukrainian Studies 32, 349-376.

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