Das Osmanische Reich 1918: Ende eines Imperiums

Vortrag von Prof. Dr. Lutz Berger (Kiel) im Rahmen der Vortragsreihe „10 Jahre TürkeiEuropaZentrum Hamburg“

Termin: 21.11.2018, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

https://www.ft.com/content/af218024-b2bf-11e4-a058-00144feab7de

Das Ende des Ersten Weltkriegs bedeutete auch eine Zäsur in der Geschichte imperialer Staatlichkeit: Alte Imperien wie das Habsburgerreich brachen zusammen. Das französische und britische Kolonialreich erlangten bei Kriegsende zwar ihre größte Ausdehnung, gleichzeitig zeigten beide Mächte aber bereits Zeichen von ökonomischer und militärischer Schwäche. Das wurde nicht zuletzt im Kontext des sog. Türkischen Unabhängigkeitskrieges 1918-1922 deutlich. Die Epoche des Hochimperialismus war beendet, ehe sie recht begonnen hatte. Der Vortrag versucht, das Ende des Osmanischen Reiches in diese globalen Wandlungsprozesse einzuordnen. Dazu gilt es auszuloten, was für eine Art Imperium das Osmanische Reich überhaupt gewesen ist. Ähnelte es dem Habsburgerreich, also einem durch eine Dynastie zusammengehaltenen Konglomerat gleichberechtigter Teile oder entsprach es doch eher dem hierarchischen Modell der westeuropäischen imperialistischen Mächte? Was bedeutet das jeweils für die Frage des Übergangs von imperialer Ordnung zur Nationalstaatlichkeit, die den weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts in der Türkei und im Vorderen Orient allgemein prägte?

Referent: Lutz Berger ist Professor für Islamwissenschaft / Turkologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Erforscht unter anderem zu den Schwerpunkten „Religionsgeschichte des Islam“sowie „Kultur- und Mentalitätsgeschichte des islamischen Vorderen Orients“.

Publikationen (Auswahl): Geschiedenvon allem außer Gott. Sufik und Welt bei Abū ʿAbd ar-Raḥmān as-Sulamī, Hildesheim 1998; Gesellschaft und Individuum inDamaskus 1550-1791, Würzburg 2007; Die Entstehung des Islam: Die ersten hundert Jahre. München 2016; „Making Sense of Turkish Liberalism“, in: Meir Hatina /Christoph Schumann (Hg.): Arab Liberal Thought after1967. Old Dilemmas, New Perceptions, New York 2015, S.83-97; “Centresand Peripheries in the Early Medieval Mediterranean”, in: Kordula Wolf / KlausHerbers (Hg.): Southern Italy as Contact Area and Border Region during theEarly Middle Ages. Religious-Cultural Heterogeneity and Competing Powers inLocal, Transregional and Universal Dimensions, Köln 2018, S. 41–50.

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10 Jahre TEZ! Jubiläumsvortragsreihe!

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Aber zuerst kommt der Mensch!

Ara Gülers Istanbul: Waren andere wohl in gleichem Maße für die Schönheit der Stadt empfänglich?

„Über fünfzig Jahre dokumentierte er das Leben der Stadt, besonders der kleinen Leute und Hinterhöfe: Mit Ara Güler hat Istanbul seinen größten Fotografen verloren.“ Ein Nachruf auf Ara Güler von Orhan Pamuk. Zu lesen in der FAZ.NET.

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Von der Interkultur zur Interpolitik? Deutsch-türkische Verhältnisse mit Blick auf Fatih Akıns „Aus dem Nichts“

Vortrag von Prof. Dr. Ortrud Gutjahr (Hamburg) im Rahmen der Vortragsreihe „10 Jahre TürkeiEuropaZentrum Hamburg“

Termin: 14.11.2018, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221
(AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

Aus dem Nichts

In seinem Film Aus dem Nichts (2017) greift Fatih Akın ein dezidiert politisches, für die deutsch-türkischen Beziehungen verstörendes Thema auf. Mit der eindringlichen Erzählung über die Traumatisierung und radikale Wahrheitssuche seiner filmischen Protagonistin, die ihren Mann und den kleinen Sohn durch ein Attentat verloren hat, bezieht sich der Hamburger Regisseur auf reale Begebenheiten, insbesondere den Nagelbombenanschlag der NSU-Gruppe am 9. Juni 2004 in Köln. Zwar lassen sich auch in anderen Filmen Akıns gesellschaftspolitische Bezüge ausmachen, doch stellt Aus dem Nichts eine Wende dar. Nie zuvor hat der Regisseur die Konsequenzen politischen Handelns so in den Fokus seiner Arbeit gerückt. Von daher fragt der Vortrag, ob dieser Film nicht auch eine Wende in der Auseinandersetzung mit Formen der (deutsch-türkischen) Interkulturalität markiert. Davon ausgehend, dass sich die Etablierung des Forschungsparadigma Interkulturalität an deutschen Universitäten wesentlich der Arbeitsmigration und Wiedervereinigung verdankt, wird eruiert, wie mit den neueren politischen Verwerfungen innerhalb Europas und der Infragestellung von Bündnissen, die den sogenannten Westen geprägt haben, das Verhältnis von Interkultur und Interpolitik neu gedacht werden kann.  

Referentin: Ortrud Gutjahr ist Professorin für Neuere deutsche Literatur und Interkulturelle Literaturwissenschaft am Institut für Germanistik der Universität Hamburg. Sie ist Leiterin der Arbeitsstelle Interkulturelle Literatur- und Medienwissenschaft und betreute u. a. das von der Stiftung Mercator geförderte Projekt »Geteilte Erfahrung Migration im deutsch-türkischen und türkischen Film.« Mit der Istanbul Üniversitesi unterhält sie seit vielen Jahren eine DAAD-geförderte Germanistische Institutspartnerschaft.

Publikationen (Auswahl): Deutsche Gegenwarten in Literatur und Film. Tendenzen nach 1989 in exemplarischen Analysen, Tübingen 2017 (hrsg. gemeinsam mit Olivia C. Díaz Pérez Rolf G. Renner / Marisa Siguan); Lessings Erbe? Theater als diskursive Institution (Reihe: Theater und Universität im Gespräch, Bd. 16), Würzburg 2017; Emine Sevgi Özdamar. Text+Kritik (hrsg. gemeinsam mit Yasemin Dayıoğlu-Yücel), München 2016.

In Vorbereitung: Monographie zu Geteilte Erfahrung Migration im deutsch-türkischen Film;Hg. zusammen mit Ersel Kayaoğlu: Lexikon zum deutsch-türkischen und türkischen Film.

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Turkish Political Culture and Its Ottoman Antecedents

Vortrag von Prof. em. Dr. Ahmet Evin (Istanbul) im Rahmen der Vortragsreihe „10 Jahre TürkeiEuropaZentrum Hamburg“

Termin: 07.11.2018, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221
(AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

Despite the high level of interest in modern Turkish politics, there have been very few studies of Turkey’s political culture. On this topic the contributions of only a handful of colleagues, notably those of Ilter Turan and Ersin Kalaycioglu, stand out.  The study of political culture was overshadowed by the overriding interest among political scientists in the Turkish state, its institutions, and the political system in line with the discipline’s focus on Turkey’s modernization.  In this context, students of Turkish politics owed a great deal to historians and sociologists in interpreting the transition from late Ottoman reformism to the establishment of the republic. Examinations of Turkey’s political culture have drawn special attention, among others, to two characteristics which I intend to address in my discussion of the topic. One is the Ottoman antecedents of Turkish political culture going back further than the nineteenth century when the Turkish homo politicus can be said to have arisen. More specifically, the question I shall attempt to address is whether there are indigenous characteristics of the Ottoman political community that have contributed to the shaping of modern Turkey’s political culture.

The second is the cultural cleavage that has been taken by social scientists as a key to understand some of the essential characteristics of Turkish politics (such as the recurring systemic failures due to fragmentation and polarization) ever since Şerif Mardin introduced the Shilsean concept of the “Center and Periphery”  into the field of Turkish studies. Today, the “Center and Periphery” theory seems to have lost its relevance not only for the study of Turkish society and politics but globally as well. There are facile explanations why that theory is no longer relevant in today’s relativist post-modern and even “post-truth” environment and why, for example, the locus of the center can no longer be defined clearly even in politically and economically developed societies. By the same token, can it be argued that the current ambiguity about the center and periphery, and how they might relate to one another, may well hold some clues with respect to the changes in political culture?

Referent: Ahmet O. Evin, founding dean of the Faculty of Arts and Social Sciences and Professor Emeritus at Sabanci University, serves as Senior Scholar and Board Member of Istanbul Policy Center. He is a Jean Monnet Professor ad personam of European Policy Studies and has been Anna Lindh-La Caixa Chair for Euro-Mediterranean Studies at Sabanci University.

He received his B.A. and Ph.D. degrees at Columbia University. He has been a senior fellow of the Transatlantic Academy (Washington, DC) and an Alexander Onassis Senior Fellow at Eliamep, Athens.

He has previously taught at Harvard, NYU, University of Pennsylvania (where he was director of the Middle East Center), the University of Hamburg and Bilkent University (where he headed the Political Science department).  

He has served as Director of Education of the Aga Khan Trust for Culture(Paris and Geneva), and Advisory Board member of the Aga Khan University,Faculty of Arts and Sciences – East Africa. He is also serving on the advisoryboard of the Institute of Advanced Studies – Köszeg, where he is also a seniorresearch fellow. His corporate management experience includes Philip MorrisInternational.
 
He has authored or edited over 12 volumes on politics, culture, and development,and currently serves on the editorial boards of five international journals.

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Die Häscher kommen im Morgengrauen

„Als es am 10. September 2016 um 5 Uhr 42 an der Wohnungstür klingelt, weiss der türkische Schriftsteller Ahmet Altan, dass sich ein Kreis geschlossen hat. Wie einst sein Vater wird auch er in Haft genommen – und geht es nach der türkischen Justiz, wird er den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen. Ein schmales, aber starkes Buch versammelt seine im Gefängnis verfassten Texte.“, schreibt Angela Schader in der NZZ.

Weitere Informationen zum Buch:

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„Clemens Holzmeister – Neues Bauen zwischen Blankenese und Ankara“

Der Architekturhistoriker Bernd Nicolai (Universität Bern) spricht über

Betrachtungen aus dem Ständestaat und dem türkischen Exil. Clemens Holzmeister – Homo Politicus und selbstbewusster Baumeister. 

 Vortrag am 26.10.2018 im Jenisch Haus (Baron-Voght-Straße 50)

Für weitere Informationen siehe: Stiftung Denkmalpflege

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I. TEZ-Vortrag: Marginalisiert, privilegiert oder „Neutürken“?

– Nichtmuslimische Schicksale zwischen Osmanischem Reich und Türkischer Republik

Vortrag von Prof. Dr. Raoul Motika (Istanbul) im Rahmen der Vortragsreihe „10 Jahre TürkeiEuropaZentrum Hamburg“

Termin: 24.10.2018, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221
(AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

Nichtmuslime hatten im Osmanischen Reich einen auf dem islamischen Recht basierenden niederen Status als die muslimischen Untertanen des Sultan-Kalifen. Dies änderte sich im 19. Jahrhundert mit den neuen Wirtschaftsstrukturen des Reichs und den sich verdichtenden wirtschaftlichen und politischen Beziehungen mit Westeuropa. Dadurch ergaben sich neue Möglichkeiten für viele nichtmuslimische Gruppen, die nun zu einem zentralen Bindeglied zur Außenwelt wurden. Manche erlebten einen beispiellosen sozialen, wirtschaftlichen und in Einzelfällen auch politischen Aufstieg. Parallel verstärkten sich unter ihnen wie auch unter den muslimischen Bevölkerungsgruppen nationalistische Strömungen, was zu blutigen Auseinandersetzungen führte und letztlich zur weitgehenden Auslöschung der nichtmuslimischen Präsenz im Reich führte. Mit der Gründung der Türkischen Republik als Nationalstaat veränderten sich die Koordinaten für die verbliebenen Nichtmuslime erneut. Der Vortrag stellt beispielhaft das Schicksal einer bürgerlichen Istanbuler Familie über einen Zeitraum vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart vor.

Referent: Raoul Motika war als Koordinator des internationalen Forschungsprojekts „Islamische Bildung in der Sowjetunion und der GUS“ an der Ruhr-Universität Bochum tätig (2002-2004). Anschließend erhielt er einen Ruf als Assistenzprofessor für Islamwissenschaften mit den Schwerpunkten Türkei/Osmanisches Reich/Iran und Gegenwartsforschung an die Universtät Bern (2005-2006). Im Herbst 2006 folgte er dann einem Ruf der Universität Hamburg auf die W3-Professur für Turkologie. Seit 2010 ist der Direktor des Orient-Instituts Istanbul der Max Weber Stiftung. Er forscht zur osmanisch-en, türkischen, südkaukasischen und iranischen Geschichte, aktuell insbesondere in den Bereichen Religion und Manuskriptkunde sowie zu gesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart. An der Universität Hamburg leitet er derzeit ein Teilprojekt des SFB Manuskriptkulturen.

Publikationen (Auswahl): In Vorbereitung: Geschichte der Republik Türkei. Stuttgart: Kohlhammer Verlag. Gemeinsam mit Christoph Herzog; Tarihte Bursa ve Almanlar. Bursa und die Deutschen. Bursa: Bursa Kültür A.Ş. 2016, hrsg. mit Malte Fuhrmann; Osmanische Welten: Quellen und Fallstudien. Festschrift für Michael Ursinus. Bamberg: Universitätsverlag Bamberg 2016, hrsg. Gemeinsam mit Johannes Zimmermann und Christoph Herzog.

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