Arrival City Istanbul: Flucht, Moderne und Metropole am Bosporus

Vortrag von Prof. Dr. Burcu Dogramaci (München) im Rahmen der Vortragsreihe „10 Jahre TürkeiEuropaZentrum Hamburg“

Termin: 23.01.2019, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

Istanbul war ein Ankunftsort für geflüchtete Künstler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Stadt auf zwei Kontinenten mit ihrer multireligiösen und –ethnischen Bevölkerung bot den Emigranten ein heterogenes Bild; so lässt sich kaum von einer konzisen Stadterfahrung sprechen. Denn abhängig von den Stadtvierteln, ihrer Bebauung und Bevölkerung, der Nähe (oder Ferne) zum Wasser, der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln zeigte Istanbul verschiedene Gesichter. So gibt dieser Stadtkörper zahlreiche Anhaltspunkte, um die Wechselwirkung von Migration oder Exil, Architektur und Stadt zu erforschen:
Im Galata/Beyoğlu auf der europäischen Seite lebten nach 1917 besonders viele russische Emigranten, später kamen deutschsprachige Exilierte. Institutionen wie die Akademie der Schönen Künste waren fußläufig erreichbar, und Hotels, Cafés und Bars bildeten Kontaktzonen für emigrierte und/oder lokale Kulturschaffende. Der Bosporus bot einen wichtigen Bezugspunkt für Bauten wie die Villa Ragip Devres (Architekt: Ernst Egli), das Haus Eckert-Emirgan (Architekt: Clemens Holzmeister) oder das Haus des Berliner Architekten Bruno Taut. Die ungewöhnliche Ästhetik von Tauts Haus führt zu übergreifenden Überlegungen zur Beziehung von Exil und Moderne. Der Vortrag endet mit dem Aufenthalt von Leo Trotzki auf der Prinzeninsel Büyükada und dem insularen Status des Exilierten.

Referentin: Burcu Dogramaci ist seit 2009 Professorin am Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München mit Schwerpunkt auf der Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. 2000 Promotion (bei Martin Warnke) mit einer Dissertation über die Berliner Modegraphikerin Lieselotte Friedlaender und die Pressegrafik der Weimarer Republik. 2007 Habilitation in Hamburg mit einer Schrift über deutschsprachige Architekten, Stadtplaner, Bildhauer und Kunsthistoriker in der Türkei nach 1927. 2011–12 Senior Research Fellow am Center for Advanced Studies der LMU München. 2014 Preis für gute Lehre des Bayerischen Staatsministeriums. 2016 ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates. Sie forscht und lehrt zu Exil und Migration, Fotografie und Fotobuch, Mode, Architektur und Stadt, Skulptur der Moderne und Nachkriegszeit, Live Art.

Publikationen (Auswahl): Heimat. Eine künstlerische Spurensuche, Köln: Böhlau 2016; Migration und künstlerische Produktion. Aktuelle Perspektiven, Bielefeld: transcript 2013 (Hg.); Fotografieren und Forschen. Wissenschaftliche Expeditionen mit der Kamera im türkischen Exil nach 1933, Marburg: Jonas 2013; Netzwerke des Exils. Künstlerische Verflechtungen, Austausch und Patronage nach 1933, Berlin: Gebr. Mann 2011 (Hg. m. K. Wimmer); (Hg. mit Birgit Mersmann), Handbook of Art and Global Migration Theories, Practices, and Challenges (de Gruyter, 2019), Fotografie der Performance. Live Art im Zeitalter ihrer Reproduzierbarkeit“ (Fink 2018.

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10 Jahre TEZ! Jubiläumsvortragsreihe!

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2nd International NEHT Workshop, 6-7 September 2019

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Frauen- und Geschlechterstudien im Spannungsfeld von Akademia, Staat und Zivilgesellschaft in der Türkei

Vortrag von Prof. Dr. Yasemin Karakaşoğlu (Bremen) / Dr. Charlotte Binder (Bremen) im Rahmen der Vortragsreihe „10 Jahre TürkeiEuropaZentrum Hamburg“

Termin: 9.01.2019, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

Das an der Universität Bremen angesiedelte Forschungsprojekt untersucht Institutionalisierungs- und Transformationsprozesse von Frauen- und Geschlechterstudienzentren an türkischen Universitäten.  In Folge der Entstehung der feministischen Bewegung in den 1980er Jahren wurden die Frauenstudien zu Beginn der 1990er Jahre zunächst an Universitäten in Istanbul und Ankara als eine unabhängige akademische Disziplin begründet. Die Gründerinnen waren Akademikerinnen, die sich meist in den Frauenbewegungen engagierten. Bis zum Jahr 2017 etablierten sich mehr als 100 universitäre Frauen- und Geschlechterstudienzentren an staatlichen und privaten Universitäten sowohl in Millionenstädten, wie z.B. Antalya, Gaziantep und Izmir als auch in Provinzstädten, wie z.B. Aydın, Bingöl und Çorum. Anhand von Expert*innen-Interviews und Dokumentensammlungen untersucht das Projekt für ausgewählte Zentren Aussagen von Repräsentant*innen, Websites, Lehr- und Forschungsaktivitäten und weitere relevante Dokumente, die Rückschlüsse über akademische und gesellschaftspolitische Motivationen erlauben. In dem Vortrag werden die Frauen- und Geschlechterstudien als umkämpftes Feld zwischen Akademia, Staat und Zivilgesellschaft in der Türkei verortet.

Referentinnen
Prof. Dr. phil. Yasemin Karakaşoğlu
studierte Turkologie, Neuerer deutscher Literaturwissenschaft und Politikwissenschaften in Hamburg und Ankara. Seit Oktober 2004 ist sie Professorin für Interkulturelle Bildung im Lehrgebiet Allgemeine Pädagogik des Fachbereiches 12 / Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Universität Bremen. Zwischen 2011 und 2017 hatte Yasemin Karakaşoğlu das Amt „Konrektorin für Internationales und Diversität“ an der Universität Bremen inne.

Dr. Charlotte Binder forscht und lehrt als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Interkulturelle Bildung an der Universität Bremen. Neben der Durchführung der von ihr konzipierten und von der Stiftung Mercator finanzierten Forschungsprojekte „Frauenbewegungen im innertürkischen Vergleich“ und „Frauen- und Geschlechterstudien in der Türkei“ verfasste sie ihre Dissertation. In ihrem Promotionsprojekt analysiert Binder anhand einer empirisch-qualitativen Studie – vergleichend für Berlin und Istanbul – Bündnisse zwischen frauen- und geschlechterpolitischen Akteur*innen im Rahmen des Internationalen Frauentags.

Projektspezifische Publikationen: https://www.blickwechsel-tuerkei.de/de/Publikationen.php

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Lesung mit Zafer Şenocak: Das Fremde, das in jedem wohnt

Lesung mit Zafer Şenocak (Berlin) im Rahmen der Vortragsreihe „10 Jahre TürkeiEuropaZentrum Hamburg“

Termin: 19.12.2018, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

In Kooperation mit 

Die Erfahrung von Fremdheit, die Begegnung mit unterschiedlichen Nationalitäten und widersprüchlichen Lebensentwürfen löst häufig Abwehr und Furcht aus. Wo Abgrenzung die Kommunikation ersetzt, ist – auch in Deutschland – der gesellschaftliche Zusammenhalt in Gefahr. Der Schriftsteller und Publizist Zafer Şenocak setzt gegen diese Angst eine bewusste, biografische Auseinandersetzung mit dem Fremden in uns selbst. Als Kind türkischer Mittelschichtseltern, die in Deutschland leben, wächst Şenocak mit den Sprachen, Literaturen, Ritualen und Geschichten zweier Länder auf. Eindeutige Identitätsangebote machen beide Kulturen nicht, weder die deutsche, in der er »der Türke« bleibt, noch die türkische: Şenocak erlebt durch seine politisch engagierte Mutter eine weltlich-moderne Intellektualität. Sein Vater dagegen verkörpert einen zwar kritischen, aber zutiefst spirituellen Islam, die Welt der Poesie und der Liebe zur Sprache. Pole, zwischen denen die türkische Gesellschaft weiterhin changiert. Zafer Şenocak beglaubigt mit seiner Person, dass aus solcher Vielfalt eine in sich heile, gefestigte Identität erwachsen kann. Zugleich fragt er wei-ter, was diese Beschäftigung mit den eigenen Herkunftsgeschichten zu einem differenzierten Bild von Integration beitragen kann. Şenocak begreift Diversität als menschliche Grunderfahrung, die man sich bewusst machen und akzeptieren muss, um zu einem modernen, partizipativen Verständnis von Gesellschaft zu gelangen. (Körber Stiftung)

Über den Autor: Zafer Şenocak wurde in Ankara als Sohn eines Verlegers und einer Lehrerin geboren. Er wuchs in Istanbul und ab 1970 in München auf, wo er auch Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie studierte. Seit seinem Debüt 1983 veröffentlichte er über 20 Bände mit Lyrik, Prosa und Essays, die ins Englische, Französische, Italienische, Tschechische, Spanische und Türkische übersetzt wurden. 2011 erschien in der Edition Körber »Deutschsein. Eine Aufklärungsschrift«, 2014 »In deinen Worten: Mutmaßungen über den Glauben meines Vaters« und »Das Fremde, das in jedem wohnt« 2018 ebenfalls wieder in der Edition Körber. Şenocak lebt seit 1989 in Berlin. Der Autor war „Writer in Residence“ in den Vereinigten Staaten, unter andem im MIT/Cambridge und in Berkeley.

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Bildungspolitik in der Türkei

Vortrag von Prof. Dr. Arnd-Michael Nohl (Hamburg) im Rahmen der Vortragsreihe „10 Jahre TürkeiEuropaZentrum Hamburg“

Termin: 05.12.2018, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

Es gibt kaum ein Land, in dem sich die politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in so evidenter Weise in der Bildungspolitik niederschlagen wie die Türkei. Daher soll in diesem Vortrag Bildungspolitik nicht isoliert von politischen Ereignissen und gesellschaftlichen Verhältnissen, sondern in deren Zusammenhang betrachtet werden. Hierzu ist zunächst ein Blick in die Geschichte, seit Gründung der türkischen Republik, zu werfen, deuten sich hier doch bereits zentrale Konfliktfelder und Probleme der türkischen Bildungspolitik an. Der Hauptaugenmerk gilt dann dem Zeitraum von 1980 bis heute, in dem sich alte Auseinandersetzungen (etwa jene zwischen Islam und Säkularismus) und Probleme (vor allem: soziale Ungleichheit) verschärften und neue (z.B. Ökonomisierung von Bildung) hinzukamen. Auf diese Weise werden dann auch bildungspolitische Kontinuitäten und Zäsuren seit Beginn der AKP-Regierungszeit evident.

Referent: Arnd-Michael Nohl ist Professor für Erziehungswissenschaft, insbesondere systematische Pädagogik, an der HelmutSchmidt-Universität Hamburg. Er forscht u.a. zu Bildung und sozialem Wandel, Lernorientierung und Organisation sowie Curriculumentwicklung und Medienpraxis.

Publikationen (Auswahl): Nohl/Somel (2018): Education and Social Dynamics – A Multilevel Analysis of Curriculum Change in Turkey. London & New York: Routledge (Paperback-Version); Nohl (2018): Eşya ve İnsan – Bir pratik ilişkinin felsefesi, pedagojisi ve sosyolojisi [Ding und Mensch – Philosophie, Pädagogik und Soziologie einer praktischen Beziehung]. Istanbul: Ayrıntı Yayınevi; Loy (2018): Motivationstypen in der Bildungsmigration. Biografische Hintergründe. Wiesbaden: Springer VS; Amling/Vogd (2017, Hg.): Dokumentarische Organisationsforschung. Opladen: Budrich; Nohl (2017): Interview und Dokumentarische Methode. Wiesbaden: Springer VS (5., aktualisierte und erweiterte Auflage); Nohl/Rosenberg/Thomsen (2015): Bildung und Lernen im biographischen Kontext. Empirische Typisierungen und praxeologische Reflexionen. Wiesbaden: Springer VS.

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Aber zuerst kommt der Mensch!

Ara Gülers Istanbul: Waren andere wohl in gleichem Maße für die Schönheit der Stadt empfänglich?

„Über fünfzig Jahre dokumentierte er das Leben der Stadt, besonders der kleinen Leute und Hinterhöfe: Mit Ara Güler hat Istanbul seinen größten Fotografen verloren.“ Ein Nachruf auf Ara Güler von Orhan Pamuk. Zu lesen in der FAZ.NET.

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Das Osmanische Reich 1918: Ende eines Imperiums

Vortrag von Prof. Dr. Lutz Berger (Kiel) im Rahmen der Vortragsreihe „10 Jahre TürkeiEuropaZentrum Hamburg“

Termin: 21.11.2018, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Hörsaal 221 (AAI, Edmund-Siemers-Allee 1, Ost)

https://www.ft.com/content/af218024-b2bf-11e4-a058-00144feab7de

Das Ende des Ersten Weltkriegs bedeutete auch eine Zäsur in der Geschichte imperialer Staatlichkeit: Alte Imperien wie das Habsburgerreich brachen zusammen. Das französische und britische Kolonialreich erlangten bei Kriegsende zwar ihre größte Ausdehnung, gleichzeitig zeigten beide Mächte aber bereits Zeichen von ökonomischer und militärischer Schwäche. Das wurde nicht zuletzt im Kontext des sog. Türkischen Unabhängigkeitskrieges 1918-1922 deutlich. Die Epoche des Hochimperialismus war beendet, ehe sie recht begonnen hatte. Der Vortrag versucht, das Ende des Osmanischen Reiches in diese globalen Wandlungsprozesse einzuordnen. Dazu gilt es auszuloten, was für eine Art Imperium das Osmanische Reich überhaupt gewesen ist. Ähnelte es dem Habsburgerreich, also einem durch eine Dynastie zusammengehaltenen Konglomerat gleichberechtigter Teile oder entsprach es doch eher dem hierarchischen Modell der westeuropäischen imperialistischen Mächte? Was bedeutet das jeweils für die Frage des Übergangs von imperialer Ordnung zur Nationalstaatlichkeit, die den weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts in der Türkei und im Vorderen Orient allgemein prägte?

Referent: Lutz Berger ist Professor für Islamwissenschaft / Turkologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Erforscht unter anderem zu den Schwerpunkten „Religionsgeschichte des Islam“sowie „Kultur- und Mentalitätsgeschichte des islamischen Vorderen Orients“.

Publikationen (Auswahl): Geschiedenvon allem außer Gott. Sufik und Welt bei Abū ʿAbd ar-Raḥmān as-Sulamī, Hildesheim 1998; Gesellschaft und Individuum inDamaskus 1550-1791, Würzburg 2007; Die Entstehung des Islam: Die ersten hundert Jahre. München 2016; „Making Sense of Turkish Liberalism“, in: Meir Hatina /Christoph Schumann (Hg.): Arab Liberal Thought after1967. Old Dilemmas, New Perceptions, New York 2015, S.83-97; “Centresand Peripheries in the Early Medieval Mediterranean”, in: Kordula Wolf / KlausHerbers (Hg.): Southern Italy as Contact Area and Border Region during theEarly Middle Ages. Religious-Cultural Heterogeneity and Competing Powers inLocal, Transregional and Universal Dimensions, Köln 2018, S. 41–50.

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